Verstehe Deinen Anwalt: Der Projektmanager


Was war ich letztens erschrocken! Da betrete ich ganz unbedarft die Baustelle und plötzlich baut sich ein Hüne von einem Mann vor mir auf! Auf meine schüchterne Frage: „Und Sie sind … äh?“ antwortet eine Stimme, die gerade der Hölle entsprungen zu sein scheint: „Ich bin der PROJEKTMANAGER! Und Sie?“

Nee, is‘ klar, dieser Aushilfswikinger ist also der Uli Hoeneß der Baustelle? Ich grinse, zucke aber zusammen, als sich seine Miene weiter verfinstert. Zum Glück taucht dann mein Mandant auf und ich frage, wer denn diese furchterregende Person ist. „Ach, das ist nur der Projektmanager; wir wissen auch nicht so genau, was der hier soll.“
Tja, die Angst ist verschwunden, aber was sucht der Mann denn nun auf der Baustelle? Projektmanager werden insbesondere bei großen, unübersichtlichen Projekten eingesetzt. Sie sind quasi die Puppenspieler eines Marionettenth eaters: Sie leiten und koordinieren die Leistungen
der Planer, Bauüberwacher und ausführenden Unternehmer und stellen das Bindeglied zum Auftraggeber dar. Sie achten darauf, dass alles ordentlich ineinandergreift und sich die Fäden nicht verheddern. Durch ihren neutralen Blick auf die Tätigkeiten der Einzelnen ist die Steuerung nicht von Einzelbefindlichkeiten abhängig, sondern hat stets das gute Ende der Baumaßnahme im Blick. Die meisten Projektmanagementverträge richten sich dabei nach den Standards der AHO, die in deren Heft Nr. 9 niedergelegt sind. Der Projektmanager ist also irgendwie der gutmütige Großvater, der nur das Beste für die Baustelle im Sinn hat und allein durch seinen weisen Blick in der Lage ist, die bösen Subjekte in ihre Schranken zu weisen. Irgendwie habe ich jetzt das Bedürfnis, mich an den Baustellenwikinger anzukuscheln!

Erschienen im September 2022 bei der DEGA Galabau, Das Magazin für den Garten- und Landschaftsbau. DEGA Galabau im Internet.